
Man kann verstehen, dass Eltern und Angehörige sich empören, wenn sie hören, dass einige Straßenzüge weiter eine Ambulanz für die Betreuung von Sexualstraftätern entstehen soll.
Zur Ambulanz gab es zahlreiche Anhörungen. Insbesondere die Polizei hat darauf hingewiesen, dass Sexualstraftaten ohnehin zu einem nur äußerst geringen Teil von Fremden und im öffentlichen Raum verübt werden.
Niemand kann uns garantieren, dass keine Straftat geschieht. Aber niemand kann uns auch garantieren, dass keine Straftat geschieht, selbst wenn diese Ambulanz anderswo eröffnet würde.
Außerdem stellt sich die Frage: Wo soll denn eine solche Ambulanz sonst entstehen?
Es ist nämlich keine Frage, dass sie gebraucht wird. Es ist keine Frage, dass sie errichtet werden muss, denn sie allein bietet die Chance, dass diese Menschen eine Therapie erfahren, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben; die Gesellschaft und besonders die Eltern von Kindern brauchen diese Therapie. Und es ist auch keine Frage, dass es keine Stelle in dieser Stadt gibt, wo es nicht sofort Proteste von Eltern geben wird; denn an jeder Stelle dieser Stadt halten sich mögliche Opfer und mögliche Täter einer jeden denkbaren Straftat auf – doch freilich, mit Statistik läßt sich keine Sorge entkräften.
Ein wichtiges Argument ist allerdings, dass jene Täter, die die Ambulanz aufsuchen, bekannt sind. Das wissen sie auch. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen befürchteten Handlung der betreuten Menschen in unmittelbarer Umgebung der Ambulanz ist sehr gering.
Bleibt der Appell an die Einwohner der Umgebung, wachsam zu sein, zugleich aber die Chance nicht zu behindern, Straftäter zu resozialisieren – denn das dient nicht zuerst den Tätern, es dient den Menschen, die bedroht sind, es dient dazu, die Stadt sicherer zu machen. Wenn eine solche Ambulanz einen angemessenen Platz hat, dann in unmittelbarer Nähe der JVA Tegel.
Der Berliner Vollzugsbeirat (BVB) fordert und unterstützt aus diesem Grunde die Einrichtung der Ambulanz seit mehreren Jahren - seit ihre Einrichtung von Fachleuten gefordert wurde -, um mehr Sicherheit durch Betreuung und überwachung zu erlangen.
Man sollte miteinander reden, denn vernünftige Lösungen, sozial, menschlich und rechtlich vernünftige und tragbare Lösungen, lassen sich nur im Gespräch finden.
18. Mai 2005
| Dr. Olaf Heischel | Friederike Kyrieleis | Dr. Hartwig Grubel |